Schule ohne Rassismus

Beschreibung des Projektes „Schule ohne Rassimus“

Antirassistische Maßnahmen müssen frühzeitig ansetzen, denn emotionale Haltungen und Denk- und Handlungsmuster werden im wesentlichen in der Kindheit und Jugend entwickelt. Kinder und Jugendliche wollen ihre Talente und Fähigkeiten erproben, um sich auf ihre Erwachsenenrolle vorzubereiten. Dabei lassen sie sich noch eher als Erwachsene für Ideale begeistern. Gerade in der Lebensphase der Schule sind daher Gelegenheiten wichtig, sich auszuprobieren sowie Verantwortung zu übernehmen und dabei zuverlässige Begleitung zur Seite zu haben. Dazu brauchen sie Partner, die sie fördern und fordern.

„Schule Ohne Rassismus – Schule Mit Courage“ wurde auf der Basis dieser Erkenntnisse entwickelt. Die Wichtigkeit des Projektes ist dringlicher denn je, denn Fremdenfeindlichkeit und Rassismus nehmen weltweit zu und bedrohen Frieden und Demokratie in vielen Ländern. In der Bundesrepublik Deutschland gab es im Jahre 2000 gegenüber dem Vorjahr 33,8 % mehr Gewalttaten gegen Ausländer. Europaweit sind bei belgischen und deutschen Jugendlichen die meisten fremdenfeindlichen Einstellungen festzustellen. Darin kommt ein Defizit unserer Gesellschaft, der Politik und der Erziehung zum Ausdruck. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit suchen Rechtsextremisten vermehrt, die Perspektivlosigkeit in Teilen der Bevölkerung für ihre politischen Ziele einzusetzen. Um so wichtiger sind antirassistische und qualifizierende Kinder- und Jugendprojekte, die neue Perspektiven eröffnen.

Historie des Projektes „Schule Ohne Rassismus – Schule Mit Courage“

Die Idee von „Schule Ohne Rassismus“ wurde bereits 1988 von Schülern und Jugendarbeitern in Belgien entwickelt. Sie wollten praktisch etwas für eine offene Auseinandersetzung mit Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, tun. Das Projekt war so erfolgreich, dass es 1992 als School Zonder Racisme in die Niederlande eingeführt und 1995 von AKTIONCOURAGE in Deutschland initiiert wurde. Sanem Kleff hat Anfang 2000 im Vorstand die Verantwortung für das Bundesprojekt übernommen. Unter ihrer Federführung wurden Projektlogo und -materialien überarbeitet. Die Erweiterung des Titels in „Schule Ohne Rassismus – Schule Mit Courage“ soll die aktive Rolle der Beteiligten stärker hervorheben. Ende 2000 wurde die Bundeskoordination des Projektes von Bonn nach Berlin verlegt. Mittlerweile gibt es in Deutschland an mehreren hundert Schulen Schüler-Initiativen, die im Rahmen des Projektes aktiv sind; bis August 2003 verlieh AKTIONCOURAGE rund 170 Schulen den Titel „Schule Ohne Rassismus“. Die Bemühungen gehen derzeit dahin, das Projekt stärker auf die ostdeutschen Bundesländer auszudehnen.

Zielsetzung

  • Sensibilisierung von Schülern für alle Formen von Diskriminierung und Rassismus
  • Förderung des Engagements von Schülern gegen Diskriminierung und für Integration und Chancengleichheit
  • Förderung humaner und demokratischer Denk- und Handlungsmuster bei Schülern Qualifizierung von Schülern und Lehrern
  • Nachhaltiger Abbau von Rassismus, Diskriminierung und Gewalt in unserer Gesellschaft

 

Konzeption des Projektes „Schule Ohne Rassismus – Schule Mit Courage

Schüler erhalten von AKTIONCOURAGE mittels der „Startinfo“ das Angebot, für ihre Schule den Titel „Schule Ohne Rassismus – Schule Mit Courage“ zu erlangen. Hierzu müssen sich mindestens 70 % aller Schulzugehörigen (Schüler, aber auch Lehrer und andere Schulbedienstete) durch ihre Unterschrift zu den Grundsätzen von „Schule Ohne Rassismus – Schule Mit Courage“ bekennen. Damit verpflichten sie sich, sich langfristig mit Aktionen und Projekten an ihrer Schule gegen Gewalt, Diskriminierung und Rassismus zu engagieren. Die Unterschriftenlisten werden bei der Bundeskoordination eingereicht. Im Gegenzug verleiht AKTIONCOURAGE der Schule dann in einem Festakt den Titel „Schule Ohne Rassismus – Schule Mit Courage“. Die Schüler suchen sich im Vorfeld einen Prominenten, der die Patenschaft über die Schule übernimmt und an der Titelverleihung teilnimmt. Den Termin der Titelverleihung sollten die Schüler frühzeitig mit der Bundeskoordination abstimmen.

Die Startinfo richtet sich direkt an interessierte Schüler und enthält alle notwendigen Informationen und Formulare zum Start des Projektes. Sie kann von der Seite www.aktioncourage.de heruntergeladen werden.

Die Schüler werden bei ihren Aktivitäten von einem Kooperationsnetz unterstützt, in das sie eingebunden sind. Dieses besteht aus der Bundeskoordinationen und den Landeskoordinationen sowie aus regionalen und überregionalen Kooperationspartnern aus der Jugendarbeit. Hierzu gehören NGOs und staatliche Stellen. Das Kooperationsnetz bietet Beratung und Information für Schüler aber auch für Pädagogen und Multiplikatoren. Projekteigene Materialien geben ebenfalls Anregungen und Unterstützung. Außerdem finden Netzwerktreffen zur Motivation und Qualifizierung der Projektbeteiligten, zur Erarbeitung neuer Materialien und für die Öffentlichkeitsarbeit statt.

Zahlreiche prominente Schirmfrauen- und herren wie Smudo, Dirk Bach, Ulla Kock am Brink, Herbert Grönemeyer, Campino und viele, viele andere unterstützen bereits das Projekt und haben Patenschaften für einzelne Schulen übernommen. An unserer Schule hat die Patenschaft der frühere Coach der Iserlohn Roosters, Greg Poss, übernommen

Besonderheit des Projektes „Schule Ohne Rassismus – Schule Mit Courage“

„Schule Ohne Rassismus – Schule Mit Courage“ ist ein Projekt von unten, das aus den Reihen der Schüler kommt. Die Entwicklung der Aktionsideen und deren Umsetzung unterliegt ihrer eigenen Regie. Das Projekt gewährleistet ein langfristiges, nachhaltiges Schülerengagement durch die Unterschrift der Verpflichtungserklärung und einer damit einhergehenden über Jahre andauernden Auseinandersetzung mit Gewalt, Rassismus und Diskriminierung im alltäglichen Umfeld, der Schule, und ein die Schüler unterstützendes Kooperationsnetz, in das auch die Lehrer einbezogen werden. Durch die handlungsorientierte Ausrichtung des Projektes wird Sach- und Fachwissen nicht nur intellektuell vermittelt, sondern mit sozialer und praktischer Erfahrung verknüpft. So werden auf vielfältige Weise Kopf und Sinne gleichzeitig gefordert und entsprechend vielfältige grundlegende Lernprozesse hinsichtlich eigener Denk- und Handlungsmuster sowie eigener emotionaler und politischer Haltungen in Gang gesetzt.

Die Schüler erlernen außerdem wichtige Schlüsselqualifikationen für ihren künftigen beruflichen Werdegang und ihre Rolle als mündiger Bürger. Hierzu gehören nicht nur vordergründig interkulturelle Kompetenz, Demokratiebewußtsein und gesellschaftliche Teilhabe, sondern auch selbständiges Planen und Umsetzen von Projektideen mit einhergehender fachlicher Qualifizierung je nach Projektart (z.B. Internet, Öffentlichkeitsarbeit, Dokumentation, Management, Kunst) sowie Arbeiten im Team und innerhalb eines Kooperationsnetzes. Gleichzeitig leisten sie mit ihren Aktionen einen Beitrag zur Antidiskriminierungsarbeit.

Auszeichnungen

Der Erfolg des Projektes wurde bereits mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt. So erhielt es den Jugendkulturpreis NRW (1996 und 1998), den Förderpreis „Demokratie leben“ des Deutschen Bundestages (1997 und 1999), den Aachener Friedenspreis (1997), den Civis-Preis des WDR Köln (1997), den Heinrich-Bußmann-Preis der SPD Lünen (1997) und zuletzt im März 2001 die Buber-Rosenzweig Medaille vom Deutschen KoordinierungsRat e.V. der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.